Praxisanleiter-In-House-Seminare und Mentorenaufbaukurse. Informationen erhalten Sie über den Vorstand.

Die Weiterbildungsinhalte können Sie Kurzbeschreibung des umfassenden Werkes "Krankenpflege Mentoren-Handbuch" entnehmen

Im Folgenden wird unsere Sichtweise der Mentoren-Tätigkeit in der Pflege aufgezeigt. Die Komplexität dieser Funktion bedingt eine fundierte Ausbildung und permanente Fortbildung.

Die Bezeichnungen "AO1" etc. beziehen sich auf die einzelnen Kapitel des "Krankenpflege Mentoren-Handbuches"

Diese Zusammenfassung der Ausführungen im Krankenpflege-Mentoren-Handbuch wurde von den Teilnehmern des Mentorenkurses am Kreiskrankenhaus Simbach am Inn 1992 erarbeitet.

  • A01: Der Mentor kooperiert mit der Krankenpflegeschule
  • A02: Der Mentor organisiert die praktische Ausbildung auf Station
  • A03: Der Mentor führt mit dem Schüler ein Vorgespräch
  • A04: Der Mentor koordiniert die praktische Ausbildung auf Station
  • A05: Der Mentor macht den Schüler mit der Station bekannt
  • A06: Der Mentor bereitet Anleitesituationen vor
  • A07: Der Mentor stellt dem Schüler Lernaufgaben, die zu bewältigen sind
  • A08: Der Mentor zeigt Pflegehandlungen und lenkt die Aufmerksamkeit
  • A09: Der Mentor veranlaßt Versuche und Übungen
  • A10: Der Mentor kontrolliert und korrigiert Versuche und Übungen
  • A11: Der Mentor ermutigt und sensibilisiert den Schüler
  • A12: Der Mentor reflektiert den Lehr-Lern-Vorgang mit dem Schüler
  • A13: Der Mentor beurteilt den Lernfortschritt
  • A14: Der Mentor reflektiert seine Mentorentätigkeit

A01: Der Mentor kooperiert mit der Krankenpflegeschule

Mentor und Schule sollen immer in Verbindung bleiben. Der Mentor übernimmt den Hauptteil in der praktischen Ausbildung. Abweichungen zwischen Praxis und Unterricht sollen besprochen werden!

A02: Der Mentor organisiert die praktische Ausbildung auf Station

Der Mentor soll gute Voraussetzungen für Anleitung schaffen:

Synchronisierung der Schichten zumindestens in der ersten Woche und Absprache mit der Stationsleitung.

Der Mentor orientiert sich am:

  • Unterrichtsprogramm
  • Praktikumsplan
  • Lernzielkatalog
  • Ausbildungsstand des Schülers

A03: Der Mentor führt mit dem Schüler ein Vorgespräch

Termin:

Ein bis zwei Wochen vor Praktikumsbeginn wäre ideal.

Ziel:

Kontaktaufnahme und gegenseitiges Kennenlernen Feststellen des Ausbildungsstandes Festlegen (erwägen) von individuellen Lernzielen

Planung des Praktikumsablaufes:

Weitergabe der nötigen Informationen an die Kollegen (Protokoll).

Unterlagen:

  • Lernzielkatalog
  • Lernangebot der Station
  • Dienstplan·
  • Tagesarbeitsprogramme in den drei Schichten·
  • Protokollbogen

Ort:

ruhiger, angenehmer Ort (z.B. der Aufenthaltsraum)

Beachte:

  • gründlich vorbereiten·
  • Sitzplätze im 90°-Winkel anordnen·
  • Mit Namensnennung und Handschlag begrüßen·
  • niemals aus 'Emotion' heraus argumentieren·
  • Blickkontakt suchen·
  • kumpelhaftes Verhalten vermeiden·
  • den Schüler gemäß seines Ausbildungsplanes einsetzen·
  • Mindestlernziele garantieren·
  • Qualifikationen Schritt für Schritt aufbauen·
  • auf besondere Lernwünsche des Schülers eingehen
  • Phasen des Gesprächs:

E r ö f f n u n g ==> D u r c h f ü h r u n g ==> S c h l u s s

A04: Der Mentor koordiniert die praktische Ausbildung auf Station

Die Anleitung einer Schülerin soll mit einer zweiten Mentorin / Kollegin abgesprochen werden. Das Minimum an Anleitung (Pflichtlernziele) darf nicht unterschritten werden. Es ist vorteilhaft, einen Pflegestil einzuhalten.

A05: Der Mentor macht den Schüler mit der Station bekannt

Der Mentor stellt dem Schüler die Station vor, damit sich der Schüler orientieren kann, Fremdheitsgefühle abbaut und sich in den Arbeitsprozeß zu integrieren vermag insbesondere sind das:

  • Organisationsschema
  • Tagesarbeitsprogramm / Stationsablauf / Wochenplan
  • Mitglieder des Pflegeteams
  • kooperierende Abteilungen und Einrichtungen
  • Aufgaben, Aufbau und Ausstattung der Station
  • Lernbedingungen auf der Station etc.

Die ersten Aktionen, Kontakte und Lernaufgaben sind entscheidend für die entstehende Ausbildungsatmosphäre!

A06: Der Mentor bereitet Anleitesituationen vor

Der Mentor hat die Aufgabe, die erforderlichen Voraussetzungen für das Anleiten eines Schülers zu schaffen. Solche Voraussetzungen für eine Anleitesituation sind:

  • die eigene Lehrtätigkeit als Bereicherung für das Pflegeteam darstellen
  • eine klare Vorstellung vom Vorwissen / Vorkönnen des Schülers besitzen
  • Pflegebeschreibungen wie: Handlungsketten, Pflegestandards, Lehrbuchauszug
  • Hilfsmittel bereitstellen wie: Fachbücher, Bilder, Fallbeschreibungen, Erfahrungsberichte für die Hand des Schülers und weitere Hilfsmittel für die Hand des Mentors (Formulare, Anleiteprogramme, Übungsbogen usw.)

Eine Anleitesituation soll stets zusammenhängend geplant werden, d.h. vom Vorbereitungs-gespräch bis zum Auswertungsgespräch!

Praxisanleitung ist Einzelunterricht: Solch ein Unterricht bringt die besten und die schnellsten Lernfortschritte! Dazu muss der Mentor allerdings sein Fach beherrschen.

Grundregel: Man leite den Schüler Schritt für Schritt an, zugleich kann man so Selbständigkeit fördern.

A07: Der Mentor stellt dem Schüler Lernaufgaben, die zu bewältigen sind

Mentor und Schüler versuchen, den Lernzielen und dem Ausbildungsstand angepasste Tätigkeiten bzw. Lernaufgaben festzulegen. Die Aufgaben versucht man so zu formulieren, dass der Schüler eine klare Vorstellung davon hat, was und wie es zu tun ist. Nur so kann der Lernfortschritt zum spürbaren Erfolg werden.

Überforderung und Unterforderung versucht der Mentor zu vermeiden, da sie die Motivation abtöten.

Es ist sehr wichtig, die Motivation des Schülers zu fördern dazu tragen bei

  • die Einsicht in die Wichtigkeit des Übens
  • der schrittweise Aufbau
  • die systematische Lernfolge
  • der Lernerfolg
  • das Könnensbewußtsein
  • die Hilfe bei schwierigen Aufgaben
  • der richtige Umgang mit Fehlern (aus Fehlern lernen "nobody is perfect")
  • die Aufnahme ins Team als "Kollege"

Eine klare Vorstellung von der Lernaufgabe kann mündlich vermittelt werden, aber auch anhand von Arbeitsblättern, Handlungsketten, Lehrbuchtexten, etc.

Beachtedurch Anregungen den Schüler motivieren, Neugier wecken! Nicht überfordern, sonst verliert er sein Selbstvertrauen. Nicht unterfordern, sonst verliert der Schüler das Interesse!

Lernziel: Fachgerechte Durchführung einer Pflegehandlung

Lernhilfe:langsam vormachen, Erstversuch beschützen

Lernweg beobachten: verbalisieren / erklären => probieren => üben / trainieren => erproben => überprüfen lassen.

Lernkontrolle: Schüler führt die Pflegehandlung vor, erklärt die einzelnen Schritte Mentor gibt 'feedback'

A08: Der Mentor zeigt Pflegehandlungen und lenkt die Aufmerksamkeit

Der Mentor kann eine Pflegehandlung zeigen, indem er

  • verständlich erklärt
  • dazu ggf. Zeichnungen, Literatur, ... zu Hilfe nimmt
  • und die Tätigkeit demonstriert, d.h. beobachtbar vormacht.

Damit der Schüler eine klare Vorstellung von der gesamten Handlung und ihren Teilen gewinnt, kann der Mentor die Aufmerksamkeit des Schülers entsprechend lenken mit Hilfe von verbalen oder nonverbalen Hinweisen, Aufforderungen, Aufgabenstellungen.

Der Mentor hält den Schüler an, das, was er tut, in Worten auszudrücken.

Der Mentor kann den Schüler jeweils nach dem Könnennsstand und im Blick auf den geeigneten Lernschritt in seine Tätigkeit miteinbeziehen.

Jeder Demonstration geht ein Vorbereitungsgespräch voraus, und sei es noch so kurz jeder Demonstration folgt ein Auswertungsgespräch, und sei es noch so kurz.

A09: Der Mentor veranlaßt Versuche und Übungen

Der Mentor veranlaßt den Schüler, Versuche und Übungen durchzuführen, um zunehmend selbständig zu handeln fähig zu werden.

Dem Erstversuch, der bis zur Richtigkeit der Pflegehandlung dauert, folgen sieben Übungsstufen:

1. Genauigkeit:

langsam, unter genauer Kontrolle ggf. die Tätigkeit in einzelne Handgriffe zerlegen, um z.B. die nötige Feinmotorik zu entwickeln

2. Sicherheit:

Teilhandlungen und ganze Handlungen wiederholen bis zum Gefühl der Sicherheit

3. Geläufigkeit:

In kurzen Abständen wiederholen, bis die Anstrengung "normal", der Ablauf "flüssig" ist

4. Schnelligkeit:

Der Schüler gibt sich Zeiten vor, um die optimale Abstimmung selbst zu finden

5. Sparsamkeit:

Der Schüler sucht ökonomische Verbesserungen (Material, Kraft, Gesundheit, Organisation, Personal, ..., Belastung für den Patienten)

6. Koordination:

Die neue Tätigkeit mit anderen Tätigkeiten in Einklang bringen (z.B. hantieren und sprechen)

7. Anpassung:

Die Tätigkeit leicht umgestalten, so dass sie zur jeweiligen Situation, zum Patienten, zum eigenen Befinden, ... passt.

Um die Selbständigkeit des Schülers zu erreichen, muss dieser lernen, seine Tätigkeiten selbst kritisch zu kontrollieren und zu hinterfragen. Hierzu bedarf es der Hilfe des Mentors, der sowohl bestätigt als auch kontrolliert und korrigiert und dabei stets den Lernstand des Schülers berücksichtigt.

A10: Der Mentor kontrolliert und korrigiert Versuche und Übungen

Voraussetzung für pädagogisch richtige Kontrolle und Korrektur ist eine genaue Beobachtung des probierenden, übenden Schülers, um einen drohenden Misserfolg im Ansatz zu erkennen und um rechtzeitig eingreifen zu können.

Ursachen für eine fehlerhafte Übung (Misserfolg) können sein:

  • situative Umstände (Lärm, Materialfehler, ...)
  • Verfassung des Patienten (unerwartete Veränderungen ...)
  • gespannte Beziehung zum Mentor
  • Verfassung des Schülers (Krankheit, Sorgen, unvorbereitet, ...)
  • unvollständiger "innerer" Handlungsplan (einzelne Handgriffe nicht geläufig)
  • unklare, falsche Vorstellungen (vom Ablauf, von der Reihenfolge, ...)

Beim Auswertungsgespräch empfiehlt es sich, erst die Erfolgs-Rückinformation zu geben und dann die Fehler-Rückinformation denn in der Zeit des Übens muss die Bereitschaft zur Korrektur wach bleiben.

Üben heißt, die Anforderungen kontinuierlich steigern. Korrekturen können verbal und nonverbal gegeben werden. Insgesamt ist es hier Aufgabe des Mentors, Fremdkontrolle, Fremdbestätigung, Fremdkritik und Fremdkorrektur zu leisten und zwar substitutiv und vorbildhaft für die wachsende Funktion der Selbstkontrolle usw.

Hilfmittel für die Kontrolle können sein:

  • Kontrollbogen
  • Lernzielkatalog
  • Checklisten
  • Fragenkatalog für die Aufdeckung von Übungsfehlern

Hilfen für die Korrektur sind:

  • wiederholte Demonstration (Teildemonstration)
  • Beratung
  • 'Feedback' (Bestätigung, Bekräftigung Ich-Aussage / Du-Aussage).

Hinweis zum Erstversuch:

Die bestätigten Details sind "wie Trittsteine durch den Sumpf des Neuen". An diesen Trittsteinen erkennt der Schüler seinen Lernfortschritt und er gewinnt an Mut, Zuversicht und Selbstvertrauen.

A11: Der Mentor ermutigt und sensibilisiert den Schüler

Eine falsche Selbsteinschätzung des Schülers soll korrigiert werden, sobald sie die Entwicklung von Handlungssicherheit blockiert (Ängstlichkeit) oder sobald sie eine Unsicherheit im Handeln vertuscht (Selbstüberschätzung). Grundsätze:

  • den Schüler in seinen Eigenheiten annehmen, obwohl er so ist
  • eine grundlegende Vertrauensbeziehung zu entwickeln
  • Zugang durch das Bestreben, die Beweggründe zu verstehen
  • den Schüler zu kreativem und kontrolliertem Verhalten anzuregen
  • pflegebezogen vorteilhafte Verhaltensweisen zu kultivieren

Das bringt auch dem Mentor Bestätigung und Motivation und Zufriedenheit.

Umgang mit Schülern, die sich selbst überschätzen:

  • dem Schüler klar und deutlich zeigen, 'wo es lang geht'
  • Überheblichkeit dient oft dazu, eigene Schwächen zu vertuschen
  • man kann sie durch sensibilisieren auflösen, z.B. nur zwingend notwendige Lernhilfen geben und das nur auf Nachfrage
  • Handlungsunsicherheit aufzeigen, die falsche Selbsteinschätzung erleben lassen! und aufzeigen, dass der Schüler den Fehler begangen hat.
  • Bei Aggressionen und schmollendem Rückzug (=letzter Versuch): in solchen Fällen empfiehlt sich gute Zusammenarbeit mit der Schule!

Umgang mit Schülern die ängstlich sind:

  • Geduld beim Üben, den Schüler immer wieder ermutigen, loben
  • Interesse (!) zeigen an der Person und ihren Erwartungen
  • Vorschläge und Ideen des Schülers aufgreifen
  • Lernfortschritte bestätigen
  • den Schüler lernmethodisch beraten
  • Schritt für Schritt vorgehen, Erfolgserlebnis ermöglichen
  • den Schüler seine versteckten Qualitäten kennen lernen zu lassen
  • den Schüler schrittweise von der Führung des Mentors abkoppeln und die Führung in Orientierung umwandeln (pädagogische Autorität)
  • den Schüler beim Lernen aktiv begleiten (mitlernen).

A12: Der Mentor reflektiert den Lehr-Lern-Vorgang mit dem Schüler

Der Mentor kann aus der gemeinsamen Lehr-Lern-Arbeit Schlüsse ziehen für die weitere Anleitung dieses Schülers und für die Anleitung anderer Schüler.

Ziel der Reflexion ist es, die künftige Anleitetätigkeit mit Hilfe der Rückerinnerung von (Kollegen und) Schülern gemeinsam zu verbessern bzw. eine noch erfolgreichere Ausbildungsarbeit zu erzielen. Kritik und Vorschläge sind dabei erwünscht, weil sie dabei helfen, aus Erfolg und Misserfolg zu lernen - und den weiteren gemeinsamen Weg zu finden.

A13: Der Mentor beurteilt den Lernfortschritt

Der Mentor beobachtet, beschreibt und bewertet den Lernfortschritt, um möglichst einen großen Erfolg bei der praktischen Ausbildung des Schülers zu erzielen dazu muss er vom IST-Zustand (Wissen, Können) des Schülers ausgehen, d.h. er muss sich davon überzeugen, was er bereits wie gut kann und was er noch zu üben bzw. ganz neu zu lernen hat. Deshalb muss man jeden Schritt kontrollieren und bewerten. Man soll Kritik (Fehlermitteilung), aber auch Lob (Anerkennung) äußern, damit der Schüler weiß, wo er steht, und man soll Korrekturmöglichkeiten nennen.

Der Schüler kann sich also beim nächsten Versuch verbessern, weil er weiß, wo seine Fehler liegen und wie diese zu vermeiden sind.

Schließlich hat der Mentor die Aufgabe, den Schüler am Schluß des Praktikums / Praxiseinsatzes zu beurteilen. dazu verwendet er einen Beurteilungsbogen. Die Abfassung der Beurteilung sollte in einer Form geschehen, die dem Schüler Gelegenheit gibt, die Bewertung seines Lernfortschrittes nachzuvollziehen und sich ggf. auch zu rechtfertigen (d.h. die Beurteilung gemeinsam besprechen).

Im Krankenpflege-Examen ist der Mentor ggf. als Prüfer in der praktischen Prüfung beteiligt. Bei der Notenfindung beachtet er die zahlreichen Fehlerquellen für eine zutreffende Einschätzung eines Kandidaten. Grundlage ist immer eine möglichst objektive Messung der Prüfungsleistung dies setzt eine kriterienorientierte Beobachtung und eine z.B. nach Punkten bemessene vergleichende Bewertung voraus.

MESSEN ==> BEWERTEN ==> BENOTEN

A14: Der Mentor reflektiert seine Mentorentätigkeit

Die eigene Reflexion muss die rationale, emotionale und soziale Seite der Arbeit mit dem Schüler erfassen. Wenn diese drei Seiten oder Ebenen stellen zugleich die Schlüssel zu jeder pädagogischen Verbesserung von Schüleranleitung und Schülerbetreuung dar.

Die Gemeinschaft zur Förderung der Krankenpflege richtet auf Wunsch auch In-house-Seminare entsprechend Ihrem Bedarf aus. Informationen erhalten Sie über den Vorstand.