Marcel Sailer und Christian de la Chaux, D-Ulm

Patientenschulung und -beratung

Der pflegerische Beitrag zur Gesundheitsbildung

Die Patientenedukation mit Schulung, Anleitung und Beratung ist zunehmend Thema nationaler Publikationen und wesentlicher Inhalt von Pflegemaßnahmen. Unter Pflegenden setzt sich vermehrt ein Bewusstsein für den hohen Anteil an lehrenden und vermittelnden Aufgaben in der Interaktion mit Saierl und de la CheauxPatient-/innen, Klient-/innen oder Bewohner-/innen und deren Angehörigen durch. Im Pflegealltag wird deutlich, dass Patienten ohne das erforderliche Wissen und dem Verständnis für Zusammenhänge nicht in der Lage sind, selbstständig mit ihren gesundheits- und krankheitsbedingten Situationen umzugehen. Dieses Verständnis ist nicht allein durch Information und Aufklärung zu erreichen. Daher begeben sich Pflegende in die Rolle von Lehrenden, um Kompetenzen zur Bewältigung dieser Situationen zu vermitteln. In diesem Zusammenhang stellt sich direkt die Frage, in welcher Form und in welchem Setting Inhalte vermittelt werden sollten, damit Patient-/innen sie in ihren Alltag integrieren können. In den vergangenen Jahren gerieten Patientenschulungsprogramme vermehrt in die Kritik von Experten. Dabei sind nicht nur bzw. weniger die Programme der Pflegenden gemeint (weil bislang kaum erforscht), sondern vielmehr alle Programme der verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen beinhaltet. Zwei wesentliche Ursachen können dafür verantwortlich gemacht werden:

·        Es wurde eine mangelnde Patientenorientierung im deutschen Gesundheitssystem erkannt.

·        Die Schulungsprogramme wurden ihren Erwartungen nicht gerecht und erreichten ihre Zielgruppe (z.B. Patient-/innen) nur unzureichend.

Das Seminar beschäftigte sich mit den beiden Kritikpunkten insbesondere aus einer pflegerischen Perspektive. Die Seminartage mit Schwerpunktthemen beinhalteten einen ausführlichen Input relevanter Hintergrundinformationen und Konzeptionen sowie einen Workshop zur Bearbeitung von praxisspezifischen und pädagogisch-didaktischen Fragestellungen zur strukturierten Patientenschulung, -anleitung und Beratung. Die Expertisen der Teilnehmer-/innen hatten im Workshop Thesen und Konzeptideen kritisch hinterfragt sowie praktische Handreichungen (weiter-)entwickelt.

1. Seminartag

·        Patientenedukation im Kontext der Gesellschaft, des Gesundheitswesens und der Institution

·        Nutzen und Kritik der Patientenedukation

·        Patientenedukation aus der pflegerischen Perspektive

·        Anspruch, Analyse der Ist-Situation, Entwicklungen und Ansätze

·        Aufgaben und Kompetenzanforderungen

·         

2. Seminartag

·        Modelle der Bezugswissenschaften im Kontext der Lehr-/Lerninteraktion

·        Modelle der Krankheitsbewältigung, Adhärenz, Motivation

·        Theoretische Strukturelemente einer theoriebasierten Schulungskonzeption

·        Modelle und Konzepte der Pflege, Pädagogik, Kommunikationswissenschaften

3. Seminartag

·        Rahmenbedingungen als Voraussetzungen zur Implementierung von strukturierten Patientenedukationsprogrammen

·        Gesundheitspolitische Voraussetzungen

·        Berufspolitische und (Pflege-)bildungstheoretische Voraussetzungen

·        Organisationale Voraussetzungen (klinisches Setting)